Der Jäger, habt Mitleid mit ihm.

Waidmänner verstehen bekanntlich keinen Spaß. Woher das kommt? Ich vermute, der Grund ist der, dass sich Jäger grundsätzlich missverstanden fühlen.

Da gehen sie hinaus in Wald und Flur, um das Wild zu hegen, was in der Mehrzahl der Fälle mit Schrot oder Kugel geschieht. Kommen sie nach dem Umweg übers Wirtshaus mit dem Rehbock im Kofferraum nach Hause, dann schimpft die Hausfrau, weil nicht nur das halbe Auto sondern auch die Garage und meist auch noch die Küche vollkommen versaut zurückgelassen werden.

Damit kommen wir zur zweiten feststellenden Beobachtung: Der Körperbau des Jägers ist fürs Putzen ungeeignet. Deshalb hat der Jäger eine Frau, die zwar über den Saustall schimpf, ihn aber dann doch beseitigt.

Wir müssen uns die Jäger als re- und deprimierte Menschen vorstellen, zumal, und das blieb bisher unerwähnt, sie auch noch eine miese Presse haben: Wenn Herden von Wildsauen die Gärten unserer Vorstädte verwüsten, wenn Wanderer in Forst und Wald von vorbeihetzenden Rotten (so nennt man Ansammlungen von drei Wildsauen und mehr) von den ausgewiesenen Pfaden verdrängt werden, dann heißt es, die Jäger kämen ihrer Aufgabe nicht nach, das Wild im zahlenmäßig im Zaum zu halten, zumal  die polnische Schweinegrippe, da war doch was, oder?

Wenn allerdings die Hatz dem Rehlein, dem Osterhasen oder dem stolzen König des Waldes, dem Hirschen gilt, dann braust ein Sturm der Ablehnung durch Deutschlands Presse und Köpfe, die in vier Worte passt: „Wie kann man nur?“

Der Jäger kann es niemandem recht machen, irgendjemand stänkert immer, und das, wir erwähnten es bereits, schlägt auf‘s Gemüt.

Die Vereinszeitung des Jägertums heißt „Christ und Hund“ und erscheint monatlich. Bei der Lektüre des Blattes weiß sich der Jäger eins mit all denen, die auch gerade darin lesen. Dies ist allerdings eine virtuelle Einigkeit, weil man bisher noch nicht auf die Idee gekommen ist, sich zum gemeinsamen Lesen in der Jagerstubn zu treffen.

Der Jäger ist immer grün gekleidet, außer dem gestickten Rehbock auf seinem Schlips. Die Farbe seiner Kleidung unterscheidet ihn von den Grünen, ja trennt ihn sozusagen von diesen Veganamazonen*innen. Mit denen hat er nichts am Hut. Dieser dient dem Jäger in erster Linie dazu, ein Reis, den er zuvor im Blute des erlegten Wildes getränkt hat, mit einer Bewegung, die vom Herzen kommt, rechtsseitig daran zu stecken. So was würde ein Grüner mit dem politischen Gegner nie machen, und er würde das Ding auch nicht Bruch nennen.

Nun aber haben harte Tage für den Jäger begonnen. Wiesen und Flur sind vereinsamt, man darf ja nicht mehr raus. Nur der Jäger, begleitet von seinem Hund, der ausgangssperrentechnisch nicht als Person gilt, kann sich ungehindert in seinen 4×4 SUV setzen und im Wald machen was er will. Niemand beobachtet ihn, niemand wirft ihm Herzenskälte vor, niemand fordert, nachdem der Schuss verhallt ist, einen Veggie-Tag, es streifen auch keine bunt gekleideten johlenden Wildvergrämer mehr durch die Auen. Plötzlich muss der Waidmann sein heilig Tun vollkommen unbeachtet verrichten. Plötzlich ist es der bislang unverständigen Bevölkerung vollkommen wurscht, was der Grünkittel da draußen macht. Warum? Naja, man sieht und bemerkt ihn eben nicht, wenn man im Wohnzimmer auf dem Kanapee sitzt, sitzen muss.

Aber so hat der Jäger natürlich auch nicht gewettet! Er hat natürlich bemerkt, dass sein schlechtes Image auch mit Neid zu tun hat. Schließlich waren es vor 200 Jahren nur die sogenannten „Hohen Herren“, die jagen durften. Und dieser Neid hat sich über Revolutionen, Kriege und Wirtschaftskrisen gehalten. Beneidet zu werden, das gibt schon was her!

Und jetzt? Kein Schwein kümmerts, was der Hubertusjünger draußen treibt.

Habt Mitleid mit den armen Jägern!

Ein Gedanke zu „Der Jäger, habt Mitleid mit ihm.“

  1. Aus: Die schöne Müllerin von Franz Schubert zum Jägerdilemma 🙂

    Was sucht denn der Jäger am Mühlbach hier?
    Bleib, trotziger Jäger, in deinem Revier!
    Hier gibt es kein Wild zu jagen für dich,
    Hier wohnt nur ein Rehlein, ein zahmes, für mich,
    Und willst du das zärtliche Rehlein sehn,
    So laß deine Büchsen im Walde stehn,
    Und laß deine klaffenden Hunde zu Haus,
    Und laß auf dem Horne den Saus und Braus,
    Und schere vom Kinne das struppige Haar,
    Sonst scheut sich im Garten das Rehlein fürwahr.
    Doch besser, du bliebest im Walde dazu
    Und ließest die Mühlen und Müller in Ruh.
    Was taugen die Fischlein im grünen Gezweig?
    Was will den das Eichhorn im bläulichen Teich?
    Drum bleibe, du trotziger Jäger, im Hain,
    Und laß mich mit meinen drei Rädern allein;
    Und willst meinem Schätzchen dich machen beliebt,
    So wisse, mein Freund, was ihr Herzchen betrübt:
    Die Eber, die kommen zur Nacht aus dem Hain
    Und brechen in ihren Kohlgarten ein
    Und treten und wühlen herum in dem Feld:
    Die Eber, die schieß, du Jägerheld!

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