„Mi amo no está en casa”, sagte die alte Bäuerin und ich fiel fast auf den Hintern vor Verblüffung. Das Wort „amo“ kannte ich von meiner Schallplattensammlung, wo ein Terrier in ein Grammophon hineinhört und darunter steht: „La voz de su amo“, die Stimme seines Herrn.
Die Bäuerin hatte ihren Ehemann tatsächlich als ihren Herrn bezeichnet. Der Ihre war Pep der Älteste. Die anderen Brüder hießen Toni, Juan und Xisco. Einer meiner Klienten hatte sich in den Kopf gesetzt, die vollkommen verfallene Finca der Brüder zu kaufen. Damals konnte man Ruinen noch ziemlich problemlos wiederaufbauen und wenn das Innere etwas moderner ausfiel, dann störte das auch niemanden. Damals, und besonders auf Ibiza, galten Gesetze eher als Vorschläge…
Ich hatte mit den vier Brüdern verhandelt, wir hatten und sogar schon fast auf einen Preis geeinigt, sogar welcher Teil davon „so“ also schwarz fließen sollte war schon ausbaldowert worden und auch der Makler stimmte freudig zu, als ich ihm darlegte, dass seine Courtage im gleichen Verhältnis wie der Kaufpreis offiziell und nicht offiziell bezahlt werden würde. Auf Ibiza hatte damals niemand, ich eingeschlossen, das Gefühl, damit etwas Ungesetzliches zu tun, es war einfach so.
Trotz aller Einigkeit zierten sich die vier Verkäufer standhaft, den privatschriftlichen Kaufvertag zu unterschreiben. Tagelang hing das Geschäft in der Luft. Als ich mein Auto bei Xisco, dem Jüngsten, zum Ölwechsel brachte, fragte ich ihn, was denn da los sei. Zunächst druckste er herum und dann gestand er mir, dass er seinen Brüdern nicht über den Weg traue. Die hätten ihn schon mehrfach zu betrügen versucht und einmal sei ihnen das sogar gelungen. Er sei sicher, dass einer oder mehrere im Stillen mit dem Verkäufer ausgemacht hätten, noch ein zusätzliches Handgeld zu bekommen. Ich bedankte mich, und versprach ihm 500.000 PTAS für diese gute Information.
Mir war klar, dass jeder der vier so von seinen Brüdern dachte.
Nun sagte ich zu meinem Klienten, dass ich 2.000.000 PTAS in bar bräuchte, sonst würde das mit dem Vertrag nichts. Der schluckte etwas, aber wer kann schon meinen ehrlichen Augen widerstehen!
Dann setzte ich den Privatvertrag auf. Das war mühsam, denn PCs gab es noch nicht, Photokopien oder gar Durchschläge erkannte man als solche, ich musste die Verträge vier Mal im Original herstellen, für einen Legastheniker eine Titanen Aufgabe.
Pep, el amo, fand ich nach einigem Suchen in einer Bar in Santa Gertrudis. Er nahm die 500.000 PTAS sofort an und unterschrieb.
Mit einem anderen Original fand ich mich in Tonis Gemischtwarenladen in San Rafael ein. Als er merkte, dass es um Geld ging, komplimentierte er mich aus dem Landen hinaus. Auf der Straße meinte er, das ginge seine Frau nichts an. Unterschrift und Geldübergabe fanden im Lieferwagen des Betriebes statt. Von Juan, einem Bankangestellten wusste ich, wo er um 9 Uhr seinen café trank. Die Sache lief auch dort problemlos, er unterschrieb ein weiteres Original und sackte das Geld freudig überrascht ein. Mit Xisco hatte ich etwas Schwierigkeiten. Er war misstrauisch, schließlich hatte er mich ja auf die richtige Fährte geführt. Ich schmeichelte ihm, auch in unserer Familie sei der jüngste der vier Brüder der Gescheiteste und schließlich zeigte ich ihm sogar die drei bereits unterschriebenen Verträge.
Da lachte er und meinte, die „alemanes“ seien schon komische Leute. Wir „Ibicencos“ klären solche Probleme mit Beschimpfungen, mit Fäusten oder auch mit Schrotkugeln. Aber für so was Geld auszugeben, auf die Idee käme hier wirklich niemand. Auch er unterschrieb und steckte lachend das Geld weg. Nun konnte ich die damals noch notwendige Militärgenehmigung einholen und ein paar Monate später fanden wir uns alle beim Notar wieder, wo die vier Brüder zusammen mit meinem Klienten die „Escritura Publica de Compra -Venta“ unterzeichneten.
Friede, Freude, Eierkuchen.