Wallfahrt mit kaiserlicher Hoheit, Epilog

Nach ermüdender Busfahrt, unsere letzte Station waren die Plitwitzer Seen gewesen, kamen wir abends in Wien an. Aufgeladen hatte man uns standesgemäß auf dem Heldenplatz, abgeladen wurden wir vor dem Westbahnhof, auf dem Europaplatz.

Ich weiß nicht, wie das heute dort aussieht, damals war es ein Anblick von Gammel, Verwahrlosung, sozialem Elend und Aussichtslosigkeit.

Der Bus stoppte genau vor einem Yonkee, der sich gerade mit Hund und Fuselflasche für die Nacht zurechtmachte. Er grölte unschöne Lieder und beschimpfte die tätowierte Prostituierte links von ihm, die mit Wiener Schmäh versuchte, die heimeilenden Büroangestellten für sich zu interessieren.

Scherben, Spritzen, alte Schuhe und Brotzeitpapier gaben ihr Bestes, um die Szene zu dekorieren.

Mitten in diesem Ambiente verabschiedete man sich: „Bussi, Bussi, grüß mir den Onkel Edi, Handkuss an die verehrte Frau Mamá, na, und das Hunderl wird sich ja freun, wenn Ihr jetzt alle wieder heim kommts.“

Ein ganz normales Abschiedsritual wäre das gewesen, wären nicht zwei ältere Damen voreinander in den Hofknicks versunken.

Es waren Ihre königliche Hoheit die Comtesse de Paris und Ihre kaiserliche Hoheit Regina Habsburg.

Wer auch nur ein ganz wenig historisches Gespür hatte, dem wurde klar, dass da die Repräsentantinnen der beiden bedeutendsten Dynastien Europas, die über Jahrhunderte das Geschick dieses und anderer Kontinente bestimmt hatten, sich gegenseitig Reverenz erwiesen.

Wie hatten sich die Zeiten geändert: Früher führten deren Männer Kriege und die Völker töteten sich gegenseitig.

Ihre angestammte Position war den beiden Damen nie gegeben worden, deren Würde haben sie übernommen.

Chapeau!

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