Islamfeinde (15. März 2017)

Vielleicht ist der Tag, an dem die Niederländer – Gott soll schützen – einem Islamfeind die relative Mehrheit geben, ein guter Tag, etwas über Islamfeinde zu schreiben.

Das Medium, in dem wir uns hier bewegen, das facebook, ist voller Kommentare und Artike,l die Mitbürger schreiben, die zu wissen glauben, dass der Islam wahlweise gefährlich ist, plant, die Kultur Europas auszulöschen, von Grund auf böse ist, uns nach dem Leben trachtet und noch Vieles mehr.

Nun muss zunächst einmal festgestellt werden, dass „der Islam“ nach gar nichts trachtet. Der Islam ist, wie so viele Lehren auch, etwas, dem man folgen kann, aber nicht muss. Letzteres gilt selbst dann, wenn sich das in den arabischen Staaten noch nicht wirklich herumgesprochen hat.

Der Islam will gar nichts, wohl aber ein Teil der Menschen, die ihm anhängen, will unsere Kultur, unsere Länder, unsere Art zu leben und unsere freiheitliche Ordnung angreifen. Die Ergebnisse dieser Hostilität haben Frankreich, Spanien, Belgien, die USA und Deutschland miterleben müssen.

Niemand will abstreiten, dass es Moslems gibt, die Böses getan haben und planen, dies zu tun. Aber „pars pro toto“? Darf man sagen, der Glaube, dem auch einige Kriminelle anhängen sei deshalb insgesamt schlecht? Dürfen wir alle anderen Anhänger dieses Glaubens unter Generalverdacht stellen?

Jeder Islamhasser weiß, dass das nicht geht. Deshalb werden hemmungslos Zahlen und Fakten gefälscht. Wie blöd muss man eigentlich sein, um einem Internetportal (wochenblick.at) zu glauben, die Bundeskanzlerin hoffe auf 12 Millionen Einwanderer, um so den „Bevölkerungsaustausch“ hinzukriegen. Was nicht gesagt wird, was allerdings insinuiert wird, ist, dass diese 12 Millionen Menschen natürlich Moslems sein werden, woher sollen sie denn sonst auch kommen?

Offenbar glauben ganz viele Menschen diesem Schmarrn.

Es ist aber kein Schmarrn, den man so einfach wegwischen könnte, vielmehr handelt es sich bei diesen Fellinformationen um eine systematische „steter Tropfen höhlt den Stein-Politik“.

Man kann als Demokrat nichts dagegen haben, man kann nicht einmal als Christ etwas dagegen haben, wenn in Europa auch Moslems, Buddhisten, Atheisten und Mormonen leben – solange sie sich an die Gesetze des Landes halten.

Nun ist Integration ja keine Einbahnstraße. Nicht nur muss die alteingesessene Gesellschaft die Integration ihrer neuen Mitbürger aktiv begleiten, sie muss sie auch wollen. Ich schreibe mit Absicht, dass dieses „auch wollen“ ein „Muss“ ist. Wir erleben ja gerade was passiert, wenn sich die Gesellschaft nicht darum kümmert, Zugezogene zu integrieren.

Die Deutsch-Türken, die jetzt offenbar mehrheitlich bereit sind, dafür zu stimmen, dass in der Türkei die Demokratie abgeschafft wird, sind ja in erster Linie Opfer der Parabolantenne. Wären sie integriert und interessierten sie sich für das, was dort passiert, wo sie leben, würden sie ja auch manchmal die Tagesschau angucken. So was hilft bei der Erweiterung des Weltbildes und der Weltanschauung.

Wenn die Islamfeinde so große Sorge vor der „feindlichen Übernahme“ haben, dann sollten sie die Hetzerei, die Verbreitung von Falschmeldungen und die Panikmache aufgeben, und sich stattdessen unter diejenigen in Europa mischen, die sich aktiv um die Integration der hier wohnenden Moslems kümmern.

 

 

 

Ein Gedanke zu „Islamfeinde (15. März 2017)“

  1. Das ist natürlich alles richtig, insbesondere auch, dass wir an der mangelhaften Integration zu einem gerüttelt Maß selbst Schuld sind. Nur ist mir das politically too correct. Stell Dir mal vor, irgendeine verbohrte „christliche“ Sekte würde irgendwo in – sagen wir mal – Lateinamerika mittels Massenvergewaltigungen, öffentlichen, für`s Internet gefilmten Folterungen und Hinrichtungen und ähnlichen Scheußlichkeiten ein Gebilde erschaffen, das sie „Christlichen Staat“ nennen. Was würde passieren? Wo immer ein Mikrophon rumsteht würden sich lange Schlangen von christlichen Würdenträgern vom Papst bis zum Mesner bilden, die kundtun, dass es sich bei diesem Gebilde um alles mögliche handelt, aber nicht um einen christlichen Staat.
    Da fehlt es ein bissl am islamischen Äquivalent, oder? Also nicht irgendwelche Oberen von irgendwelchen Islamvereinigungen bei gelegentlichen Sonntagsreden, sondern islamische Würdenträger. Mullahs, Ayatollahs, Imame, whatsoever. Nicht mal der wegen seiner Liberalität so hochgelobte Herr aus meiner Nachbarstadt Penzberg hat sich hierzu jemals öffentlichkeitswirksam geäußert.
    Vor dem Hintergrund wird die Aussage, dass „der Islam gar nichts will“ spannend. Das stimmt natürlich für die abstrakte Religion, konkret geht es aber um ein paar Milliarden Menschen, die keinerlei nennenswerte Kritik am IS üben, wohl aber zB glauben, holländische Kühe abschieben zu müssen.
    Ich will hier keine Alarmstimmung verbreiten oder über alle Moslems den Stab brechen, wirklich nicht, aber ich finde schon, dass man die Dinge so anschauen sollte, wie sie sind und nicht so, wie sie sein sollten, oder?
    Ein bissl mehr moslemische Solidarität gegen Verbrecher, die sich unter dem Deckmantel ihrer Religion verstecken und „ölles moch’n was unner Herrgodd väbodn hod“ wäre schon schön, oder?

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