Schöne Aussichten!

Renzi scheitert mit seinem Referendum und tritt ab.

In Österreich wird Hofer gewählt.

Le Pen schafft es nicht nur in die Stichwahl, weil das alte Bündnis „alle gegen den Front National“ diesmal nicht mehr funktioniert.

Theresa May merkt, dass das mit dem Brexit fast unmöglich ist. Ihre Regierung wackelt.

Die spanische Regierung scheitert.

In Berlin reicht es wieder nur zu einer großen Koalition.

Die apokalyptischen Reiter rasen durch meinen Kopf. Ich will ja nicht behaupten, dass all diese möglichen Entwicklungen Folge des Aufatmens des totgeglaubten Rechtsnationalismus sind. Aber ohne die Wahlerfolge der AfD in Deutschland, der SVP in der Schweiz, der PIS in Polen und der Fidezs in Ungarn bräuchte ich mir obige Sorgen gar nicht zu machen. Diese Wahlerfolge haben „Rechts-Speech“ wieder salonfähig gemacht. Was vorher die Bande frommer Scheu verhinderten, ist plötzlich möglich: Andersdenkende, Ausländer, Randgruppen werden wieder angepöbelt, Bedrohungen übelster Art sind an der Tagesordnung. Und dann gewinnt auch noch der Trump!

Ich hatte zunächst gedacht, Vernunft, bessere Erklärungen, auf einander Zugehen, Dialog, halt das ganze Bündel an Gutmenschmethoden, die wir seit Jahrzehnten durchaus erfolgreich mit uns herumgetragen haben, würde auch diesmal wieder wirken.

Auch diesmal? Ich bemerke mit Schrecken, dass es auch vorher nicht gewirkt hat. Wir haben uns im demokratischen mehr oder weniger Verstehen, im gleichmacherischen „du darfst ja alles sagen“ und in der so geliebten intellektuellen Augenhöhe wohl gefühlt. Wir haben nicht gemerkt, dass wir schon seit Jahrzehnten an denen vorbeireden und -regieren, die bisher resigniert das Maul gehalten haben.

Jetzt ist das, was diese Mitbürger schon immer sagen wollten wieder salonfähig geworden und nun tragen sie es auch in diesen Salon.

Eine skurrile Tante von mir, beschloss immer ihre skurrilen, ja abwegigen Äußerungen mit der Bemerkung: „Man wird ja noch mal was sagen dürfen.“ „Nein, darf man eben nicht!“ brüllten wir zurück, die alte Dame war stocktaub.

Nun sind wir so weit, dass man allgemein „noch was wird sagen dürfen.“

Wir kommen zu spät mit unseren Überlegungen, wie man die Vergessenen wieder ins Boot holen kann. Die wollen gar nicht mehr rein.

Ich habe daher das sehr ungute Gefühl, dass auf absehbare Zeit unsere europäischen Demokratien brauner werden und ich hege starke Zweifel, ob sie das aushalten werden.

In der nächsten Legislaturperiode werden sich nahezu alle europäischen Parlamente mit radikalen Neulingen herumschlagen müssen, seien es im Süden linke Radikale, seien es im übrigen Europa rechte Radikale.

Ich hatte die Hoffnung, dass AfD und Konsorten an ihrer eigenen Unfähigkeit scheitern würden. Offenbar haben sie das unterdessen selbst gemerkt, und nehmen sich organisatorisch am Riemen.

Das macht alles noch viel gefährlicher.

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